[Warum ein unangeleinter Hund schnell zu einem Schadensfall werden kann.] Anzeige

Wir alle lieben es, mit unserem Hund Aben­teuer zu erleben, durch die Natur zu streifen und gemein­sam neue Orte zu ent­deck­en. Natür­lich ist es unglaublich schön, wenn der Hund gut erzo­gen und abruf­bar ist und wir ihn daher frei laufen lassen kön­nen. Doch wir kön­nen uns alle in einem Punkt sich­er sein: das Ver­hal­ten eines Tieres kön­nen wir nie zu 100% vorherse­hen. Wir kön­nen uns nie 100% sich­er sein, dass unser Hund auch wirk­lich so reagiert, wie wir es erwarten.

Auch ein noch so gut erzo­gen­er Hund kann auf eine Katze reagieren und plöt­zlich auf die Straße laufen. Selb­st ein grund­sät­zlich sicher­er Hund kann sich erschreck­en und plöt­zlich aus dem Affekt her­aus reagieren. Ich selb­st erin­nere mich in diesem Zusam­men­hang an zwei Sit­u­a­tio­nen mit Queen, von denen ich vorher nicht für möglich gehal­ten hätte, dass sie „uns passieren“ wür­den.

Ich bin mit Queen durch die Stadt gelaufen und wir sind an ein­er viel befahre­nen Straße ent­lang gegan­gen. Daher war sie angeleint. Sie lief entspan­nt neben mir her und ich war etwas in Gedanken, daher fiel mir der sil­berne großer Aschen­bech­er, der direkt vor ein­er Gast­stätte stand nicht auf. Doch selb­st wenn ich nicht ger­ade gedanken­ver­sunken gewe­sen wäre, so hätte ich diesem wahrschein­lich auch gar keine Bedeu­tung zugemessen. Die Sonne schien und schein­bar spiegelte sich plöt­zlich etwas in dem sil­ber­nen Aschen­bech­er. Möglich ist auch, dass Queen plöt­zlich durch die sich spiegel­nde Sonne geblendet wurde, jeden­falls erschrak sie und sprang plöt­zlich zur Seite. Wäre sie nicht angeleint gewe­sen, dann wäre sie auf die viel befahrene Straße gesprun­gen. Ich möchte an dieser Stelle gar nicht weit­er denken, was dann alles hätte passieren kön­nen.

Bei der zweit­en Sit­u­a­tion war sie nicht angeleint. Es war Som­mer und ich lief abends spät mit ihr um den See. Von hin­ten näherte sich ein Jog­ger und Queen lief ca. 5 Meter vor mir neben dem Weg im Gras. Da der Weg sehr bre­it war, rief ich sie nicht zu mir. Plöt­zlich bemerk­te sie den Jog­ger und erschrak auf eine Weise, wie ich es nie für möglich gehal­ten hätte. Als würde sie mein Rufen gar nicht mehr wahrnehmen, ran­nte sie los. Als ich merk­te, dass sie nicht mehr auf meine Stimme reagierte, ran­nte ich hin­ter ihr her, doch schein­bar nahm sie mich auch gar nicht mehr als „ihr Frauchen“ wahr, son­dern ran­nte weit­er ger­adeaus mit­ten in den dunkeln Wald hinein. Ich hat­te große Angst, denn sie hat­te wed­er ein leuch­t­en­des Hals­band noch son­st irgen­dein Hals­band um. Ich wartete einen kurzen Moment und lief langsam mit ruhiger Stimme in den Wald. Gott sei Dank stand sie nur weniger Meter ent­fer­nt hin­ter einem Baum. Als sie mich sah, reagierte sie immer noch nicht. Erst als ich mich hin­hock­te und ruhig auf sie einre­dete, schien sie mich plöt­zlich zu erken­nen und kam erle­ichtert zu mir. Queen ist schuss­fest und selb­st­be­wusst. Ich hätte es niemals für möglich gehal­ten, dass sie sich der­art erschreck­en kann. Vor einem Jog­ger, dessen Begeg­nung doch für all unsere Hunde völ­lig nor­mal ist.

Was ich damit sagen möchte: das Ver­hal­ten unser­er Hunde ist nie zu 100% vorherse­hbar.

Warum ist das so wichtig? Wir als Hun­de­hal­ter haften grund­sät­zlich für das Ver­hal­ten unser­er Hunde. Zwis­chen absichtlich und unab­sichtlich wird hier keine Unter­schei­dung vorgenom­men. Dieser Grund­satz ist in § 833 S.1 BGB ver­ankert. Da die Haf­tung ver­schulden­sun­ab­hängig ist, sprechen wir Juris­ten von ein­er Gefährdung­shaf­tung.

Kommt es zu einem Schadens­fall, so ste­ht man vor Gericht bess­er da, wenn der eigene Hund angeleint gewe­sen ist. Ein unan­gelein­ter Hund wurde nicht sel­ten von Gericht­en als Pflichtver­let­zung eingestuft, wenn sich hier­aus Fol­gen für den Geschehens­ablauf ergeben haben – oder anders gesagt: wenn es angeleint nicht zu dem Schadens­fall gekom­men wäre.

So zum Beispiel in einem Fall, den das Landgericht Coburg zu entschei­den hat­te (Urteil vom 23.07.2010, Az. 13 O 37/09): Der unan­geleinte Hund des Beklagten ran­nte gegen einen anderen Hun­de­hal­ter. Dieser stürzte zu Boden und ver­let­zte sich im Gesicht und am Ell­bo­gen. Der Kläger ver­langte von dem anderen Hun­de­hal­ter Schmerzens­geld und Schadenser­satz für die durch den Hund verur­sacht­en Ver­let­zun­gen. Der Vor­trag des Beklagten, der Kläger habe den Unfall mitverur­sacht, wur­den vom Gericht nicht berück­sichtigt. Sie sahen in dem unan­gelein­ten Hund des Beklagten eine Pflichtver­let­zung. Wäre der Hund angeleint gewe­sen, so wäre es nicht zu diesem Geschehens­ablauf gekom­men. Daher gab das Gericht der Klage statt.

Zu einem ver­gle­ich­baren Fall kam es im ver­gan­genen Jahr hier in Osnabrück (Az.: 5 Ns 112 / 20):

Ein Hun­de­hal­ter ver­ließ mit seinen bei­den Hun­den das Haus. Bei­de ran­nten auf eine Frau zu, die mit ihren Einkäufen an dem Grund­stück vor­bei lief. Der Hun­de­hal­ter rief die Hunde zurück, doch nur ein­er reagierte. Der andere Hund sprang in Rich­tung der Frau, die diesen mith­il­fe ihrer Tasche abzuwehren ver­suchte. Dabei stürzte sie und erlitt unter anderem eine Hal­swirbelver­let­zung sowie eine Prel­lung im Kopf­bere­ich. Dem Hun­de­hal­ter gelang erst dann seinen Hund zu fassen, als die Frau bere­its am Boden lag.

Die ver­let­zte Frau stellte Strafantrag (!) gegen den Hun­de­hal­ter. Die Staat­san­waltschaft erhob Anklage (!) wegen fahrläs­siger Kör­per­ver­let­zung. Verurteilt wurde der Hun­de­hal­ter zu ein­er Geld­strafe.

Im vor­liegen­den Fall han­delte es sich um zwei Schäfer­hunde. Auch dies wurde vor Gericht rel­e­vant. Das Gericht entsch­ied, dass ein der­art großer Hund nicht ohne Leine laufen darf, wenn dieser nicht gehorchen würde. Wobei man an dieser Stelle dur­chaus ein­wer­fen darf, dass auch von einem kleinen Hund eine Gefahr aus­ge­hen kann, wenn dieser unan­geleint unter­wegs und nicht abruf­bar ist. Auch vor einem kleinen Hund kann sich eine vor­beilaufende Per­son erschreck­en und gegebe­nen­falls zu Fall kom­men. Daher sollte man dem Umkehrschluss zu den Aus­führun­gen des Gerichts nicht zu viel Bedeu­tung zumessen, wie wir anhand des oben geschilderten erstens Fall gese­hen haben.

Denn wer seinen Hund ohne Leine laufen lässt — egal, ob groß oder klein — muss sich­er sein, dass er aufs Wort gehorcht. Verur­sacht ein frei laufend­er Hund einen Unfall, kann dies den Hun­de­hal­ter vor Gericht brin­gen und wie wir anhand des zweit­en Falls gese­hen haben sog­ar inkl. Anklage und Verurteilung wegen fahrläs­siger Kör­per­ver­let­zung.

Wie wir gemein­sam fest­gestellt haben, kann es unvorherse­hbar und plöt­zlich zu einem Schadens­fall kom­men. Und da etwaiges Ver­schulden bei der sog. Gefährdung­shaf­tung keine Rolle spielt, sind wir Hun­de­hal­ter schnell in der Ver­ant­wor­tung und haften für den durch unseren Hund ent­stande­nen Schaden.

Und wenn es trotz aller Sorgfalt und aller Vor­sicht zu einem Schadens­fall gekom­men ist, dann ist man mit ein­er Hun­de­haftpflichtver­sicherung auf der sicheren Seite und hat einen Part­ner an der Seite, der einem durch die Sit­u­a­tion hil­ft und den Schaden reg­uliert. Ich empfehle immer gerne die AGILA Haustierver­sicherung — hier kann man bere­its ab 4,08 EUR monatl. eine Hun­de­haftpflichtver­sicherung abschließen.

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