[Wenn Tiere krank sind…]

Ich bin ein Men­sch, der grund­sät­zlich an Kar­ma glaubt. Doch soviel, wie wir dieses Jahr ein­steck­en mussten, kann man gar nicht ver­bockt haben. So viel Mist kann man gar nicht bauen, wie bei uns eine Hiob­s­botschaft die näch­ste jagte…

Als wir Anfang des Jahres den Knubbel an Queens Gesäuge fan­den, fing das Dra­ma an. Lei­der kon­nten wir in der ersten Oper­a­tion zwar Teile des Gesäuges ent­fer­nen, aber nicht kas­tri­eren, weil Queen mit­ten in der Läu­figkeit steck­te. Dass das The­ma nicht been­det war, ahnte ich direkt und wurde durch neue Knubbel einige Wochen später auch bestätigt. Die zweite Oper­a­tion fol­gte, in der kas­tri­ert wurde und die übrig geblieben Gesäugekom­plexe mit ent­fer­nt wur­den.

Wer diese Geschichte nicht ver­fol­gt hat, find­et HIER und HIER Artikel zu Queens Oper­a­tio­nen.

Heute geht es ihr gut, sog­ar bess­er als vorher, weil sie durch ihre ständi­gen Schein­schwanger­schaften und unregelmäßi­gen Läu­figkeit­en Prob­leme mit den Hor­mon­schwankun­gen hat­te. Hätte ich gewusst, dass sie ohne die Hor­mon­schwankun­gen viel lebendi­ger und fröh­lich­er sein würde, hätte ich sie schon vor Jahren kas­tri­eren lassen.

Zwis­chen der ersten und zweit­en OP wurde Olaf krank und wir mussten ihn zwei Tage vor Queens zweit­er Oper­a­tion gehen lassen. Keine Frage — das war schw­er für uns alle und der Schmerz ist noch sehr präsent.

Hen­ri­ette und Her­by zogen bei uns ein und wir mussten schnell fest­stellen, dass Her­by krank war. Seine Zähne waren eine Katas­tro­phe und man prog­nos­tizierte mir schnell, dass er nicht alt wer­den würde. Wie alt er eigentlich gewe­sen ist, kon­nte mir auch nie­mand sagen. Wir ließen seine Zähne oper­a­tiv kor­rigieren, weil er ohne die OP nicht mehr richtig fressen kon­nte. Obwohl mir das Risiko bekan­nt gewe­sen ist, ließ ich den Ein­griff vornehmen. Ohne ihn hätte er in Kürze gar nicht mehr fressen kön­nen. Ich wollte ihm zumin­d­est die Möglichkeit bieten, noch ein paar schöne Jahre erleben zu dür­fen. Die ersten Tage nach der OP sahen super aus. Er war fit, erholte sich gut und fraß viel bess­er. Lei­der baute er einige Tage nach der OP so plöt­zlich bin­nen weniger Stun­den ab, dass er in der Nacht ver­stor­ben ist.

Das dritte Tier, was in diesem Jahr in meinem Hän­den starb. Erst Olaf, dann — vielle­icht erin­nert ihr euch — das Kan­inchen ein­er Fre­undin, welch­es mit Fliegen­maden befall­en war und nun Her­by.

Noch in der gle­ichen Woche nahm das Dra­ma seinen Lauf und ich ent­deckt einen Knubbel am Gesäuge von Püp­pi. Das war ein riesiger Schock. Nicht nur, weil so ein Knubbel am Gesäuge immer alles und nichts sein kann, son­dern auch weil es dieses Mal Püp­pi traf. Püp­pi war nie krank oder ver­let­zt. Sie ist mein Son­nen­schein und sie vor meinem geisti­gen Auge krank zu sehen, riss mir den Boden unter den Füßen weg. Experten würde das sicher­lich als Ner­ven­zusam­men­bruch betiteln. Ich weiß noch genau, wie schnell die Panik in mir hoch kam. Nach­dem ich mich übergeben musste, saß ich vor der Toi­lette und ich war nicht mehr in der Lage aufzuste­hen. Nicht kör­per­lich, son­dern es fühlte sich an, als würde mein Kopf kein­er­lei Sig­nale mehr weit­ersenden. Ich wollte, aber es bewegte sich nichts und ich star­rte zur Wand. Ich erin­nere mich genau daran, wie ich zu Jan sagte “ich kann mich nicht mehr bewe­gen”.

Am näch­sten Tagen wurde sie in der Klinik unter­sucht. “Ja da wächst etwas.” Ich wollte nicht lange disku­tieren oder spekulieren und machte dem Arzt direkt klar, dass das auf jeden Fall operiert wird und dass ich so viele Tests vor­ab wie möglich möchte. Wir haben an dem Tag Bilder von der Lunge gemacht — alles frei. Die erste Erle­ichterung. Anschließend wurde ein großes Blut­bild gemacht und die Werte der einzel­nen Organe bes­timmt — alles super. Die Angst nahm etwas ab, doch stieg wieder drama­tisch an vor dem Ultra­schall­ter­min einige Tage später. Schlafen kann ich nach wie vor nur mit Beruhi­gungsmit­teln. Im Ultra­schall kon­nte nichts fest­gestellt wer­den — alles ohne Befund. Danach wurde ich etwas ruhiger. Auch, weil ich fest­stellte, dass der Knubbel deut­lich klein­er wurde.

Am Tag der Oper­a­tion sprach ich vorher mit der Ärztin. Auch bei Püp­pi läuft hor­monell betra­chtet nicht alles rund. Sie hat sog. stille bzw. weiße Läu­figkeit­en, d.h. sie blutet nicht und man hat keine sicht­baren Symp­tome um ein­schätzen zu kön­nen, ob sie läu­fig ist oder nicht. Ich hat­te schon oft über­legt sie kas­tri­eren zu lassen, war mir aber unsich­er, weil mir jed­er Arzt etwas anderes sagte. Bei den sog. stillen Läu­figkeit­en beste­ht zudem das Prob­lem, dass diese nicht nor­mal ver­laufen. Die Hunde kön­nen eine Woche läu­fig sein, pausieren und nach kurz­er Zeit nochmal zwei Wochen läu­fig sein oder anders herum. Man weiß es nicht, sieht es nicht und da wir kaum Kon­takt zu frem­den Hun­den haben, kon­nte ich auch nicht anhand ander­er Rüden aus­machen, was da ger­ade bei ihr los ist. Schein­schwanger­schaften sind inner­halb dieser stillen Läu­figkeit­en immer ein The­ma und da sich der Knubbel so schnell zurück­bildete und mit­tler­weile kom­plett ver­schwun­den war, dafür aber auf der anderen Seite etwas knubbe­lig wurde, gin­gen die Ärzte zu 99% davon aus, dass es sich um Drüsen­gewebe han­delte, welch­es mal angeschwollen ist, eventuell sog­ar entzün­det, ver­härtet und irgend­wie nicht ganz wieder zurück geht usw. Das klingt jet­zt erst ein­mal nicht so wild, allerd­ings kann es sein, dass sich dieses Milch­drüsen­gewebe, welch­es immer mal wieder entzün­det ist, auch mal zu einem Tumor wer­den kann. Das passiert in der Regel nicht schon in Püp­pis Alter, aber eventuell in einem Alter, in dem man nicht mehr narko­tisieren kann. Dass es schon jet­zt ein Tumor wurde, schließt die Ärztin aus, weil sich dieser nicht mehr zurück gebildet hätte. Sie wurde also kas­tri­ert und eine Gesäugeleiste wurde ent­fer­nt. Bei­de gle­ichzeit­ig geht nicht, weil man nicht genug Haut hätte, um dies vernähen zu kön­nen. Daher wurde erst ein­mal eine Leiste ent­fer­nt und um auf Num­mer Sich­er zu gehen, dass das The­ma been­det wird, wird im Okto­ber auch die zweite Leiste her­ausgenom­men.

Da es sich laut der Ärztin zu 99% um Milch­drüsen han­delte, die wie oben beschrieben, anschwillen, sich entzün­den oder ähn­lich­es, habe ich mich dazu entschlossen, das Ent­nommene nicht von einem Patholo­gen unter­suchen zu lassen. Ich habe bei Queen damals die Nachricht erhal­ten, dass da etwas Bösar­tiges gewach­sen ist. Zwar enthielt dieser Knubbel die harm­los­es­te und am wenig­sten aggres­sivste Vari­ante eines bösar­ti­gen Tumors und so wenig Tumorzellen, dass es kaum fest­stell­bar war. Den­noch stand das Wort Karzi­nom im Raum. Bei 20% dieser Fälle — und je aggres­siv­er, je wahrschein­lich­er — kann es sein, dass sich in eini­gen Jahren noch ein­mal irgend­wo im Kör­p­er etwas bildet. Hunde kön­nen damit zwar je nach Art, Größe usw. noch gut bis zu 2 — 3 Jahre leben und je nach­dem wann es kommt, kön­nten viele Hunde vorher eines “natür­lichen Todes” gestor­ben sein, den­noch fragt man sich, ob man zu den 20% gehört. Auch, wenn der Arzt von “geheilt” spricht, bleibt eine gewisse Angst zurück. Es bleibt ein blöder Beigeschmack und genau das wollte ich bei Püp­pi nicht.

Die Chance, dass der Pathologe schlechte Nachricht­en gehabt hätte, waren zwar winzig klein, doch ich wollte mir die Angst bis zu dem Ergeb­nis ers­paren. Die Angst vor dem Ergeb­nis und auch die Angst vor der Zukun­ft falls es uner­warteter­weise doch schlechte Nachricht­en gewe­sen wären. Püp­pi ist anson­sten kern gesund. Blutwerte, Organ usw. waren alle in Ord­nung. Keine geschwol­lenen Lym­ph­knoten. Selb­st wenn es ent­ge­gen aller Erwartun­gen ein Tumor gewe­sen wäre, dann hätte das in der Ther­a­pie und Behand­lung nichts geän­dert. Wir hät­ten alles ent­fer­nen lassen — wie jet­zt auch — und wären anschließend nach Hause gefahren und hät­ten weit­er gelegt — wie jet­zt auch. Nur ohne Angst und Frageze­ichen im Hin­terkopf. Ich habe meinen Son­nen­schein zurück und kein Sor­genkind mehr auf mein­er ohne­hin schon viel zu lan­gen Liste. Das mag naiv klin­gen, aber für mich war es ein­deutig die richtige Entschei­dung. Dadurch, dass es in der Behand­lung keinen Unter­schied gemacht hätte und wir ohne­hin alles ent­fer­nen lassen, nehme ich ihr nichts, son­dern nur mir die Angst. Vielle­icht sehe ich das irgend­wann anders, doch jet­zt ger­ade nach allem, was in diesem Jahr passiert ist, muss ich an mich selb­st denken und schauen, wie ich einen Weg find­en kann, alles ver­ar­beit­en zu kön­nen.

Drei Tiere sind in meinen Hän­den gestor­ben, zwei davon mit sehr viel Leid und auf keine friedliche Weise. Bei­de Hunde wur­den operiert und eine OP ste­ht noch aus. Ich muss meinen inneren Frieden wiederfind­en, muss zur Ruhe kom­men und all das ver­ar­beit­en. Wenn Tiere krank ist, ist man selb­st mit krank. Man fühlt sich so hil­f­los und plöt­zlich ändert sich alles. Der Boden wird einem sprich­wörtlich unter den Füßen wegge­zo­gen und man kann nur von außen zuse­hen. Mit mir hat das alles eine Menge gemacht. Ich ver­suche mich auf die Dinge zu konzen­tri­eren, die für mich wichtig sind. Was mir nicht gut tut, kann weg. Ich bin glück­lich und dankbar für das, was ich hab. Weiß die lieben Men­schen um mich herum zu schätzen. Mir ist es wichtig, dass man Tiere genau­so behan­delt, wie man selb­st behan­delt wer­den möchte. Denn wie hat Hape Ker­kel­ing so schön gesagt: Man weiß nie, ob man nicht im näch­sten Leben die Rollen tauscht 😀 Meine Tiere sind mir das Wichtig­ste. Das sie glück­lich und gesund sind, hat für mich die höch­ste Pri­or­ität.

Noch mehr — falls das über­haupt möglich ist — als zuvor möchte ich das Leben mit meinen Tieren genießen. “Hät­ten wir mal” soll in meinem Wortschatz nicht vorkom­men. Das Leben ist zu kost­bar, um es ein­fach so passieren zu lassen und es reist sich nun mal deut­lich bess­er mit leichtem Gepäck. Es gibt genug belas­tende Dinge im Leben, da muss man sich nicht noch frei­willig Din­gen aus­set­zen, die einem nicht gut tun. Für uns jeden­falls hat­te das Schick­sal genug Mist in diesem Jahr vor­bere­it­et. Da bleibt einem nichts als sich neu zu sortieren und jeden Tag so zu leben, dass man abends und mit Rück­blick nichts anders gemacht hätte 🙂

Wenn man das ganze Jahr so voller Sor­gen und Äng­ste durch­lebt, dann macht das etwas mit einem. Doch heute habe ich den Mut zu sagen, vielle­icht auch etwas Gutes…

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